Kaum ist Weihnachten mal wieder vorbei steht auch schon das Hahnenkammrennen in Kitzbühel vor der Tür. Und damit auch wie jedes Jahr die Überlegung fährt man hin oder schaut man im Fernsehen oder fährt man hin oder net oder scho. Bei einem Sportevent dieser Größenordnung, dem größten Spektakel im Ski Weltcup kribbelts einfach jedes Jahr schon ganz gewaltig aus Sicht des leidenschaftlichen, patriotischen Fan und natürlich nicht minder aus Fotografensicht auch wenn man keine Akkreditierung und grundsätzlich keinen Auftrag ausser dem eigenen Ansporn hat. Aber man sagt sich einfach -wurscht- ich find mir schon einen Platz, wo ich auch von draußen, sprich außerhalb der Fangzäune, einige lässige Bilder zusammenbring. Und dann fragt man sich aber doch auch wieder ob sich das wirklich auszahlt. Vom Rennen kriegt man ja eigentlich eh nichts mit wenn man irgendwo in der Pampa neben der Rennstrecke steht, aufstehen muss man auch mitten in der Nacht oder am Vortag schon anreisen und kosten tut´s auch paar Schi… Euro. Drauf gepfiffen – es hat sich einfach auszuzahlen. Auch wenn man die Bilder letztendlich nur fürs eigene Portfolio hat. Am Ende des Tages zählt der persönliche Erfolg – sich ein Ziel gesteckt zu haben, sich dazu Gedanken gemacht zu haben, alle Eventualitäten abgeklärt zu haben und letztendlich sagen zu können „yeppa mein Plan ist aufgegangen“. Und natürlich auch sagen zu können die Bilder sind ganz geil geworden obwohl meist manuell zum fokussieren war. Und das passt ja heutzutage mit Sportfotografie in etwa soviel zusammen wie ein Pinguin mit einem 100 Meter Hürdenlauf – geht an und pfirsich net… Irgendwie halt aber doch mit paar Abstrichen. 

Am Ende des Tages zählt der persönliche Erfolg – sich ein Ziel gesteckt zu haben, sich dazu Gedanken gemacht zu haben, alle Eventualitäten abgeklärt zu haben und letztendlich sagen zu können „yeppa mein Plan ist aufgegangen“.

 

Ja und wo war ich jetzt überhaupt? Mein Ziel stand eigentlich schon seit der letzten Fotosession am Hahnenkamm 2017 fest, wo ich mich bei der Mausefalle beginnend bis zur Seidlalm runtergearbeitet habe. Mein damals erklärtes Ziel fürs nächste mal war die Hausbergkante. So gut es ging plante ich also jetzt drei Jahre später anhand von Bildern im Internet, wo ich mich am besten positionieren könnte um die Skifahrer richtig fein beim Sprung zu erwischen. Ja sogar ob man vielleicht irgendwo auf einen Baum raufkraxeln könnt. Aber das ist Blödsinn und zweitens sinnlos ohne vorher das Testament verfasst zu haben weil man würd beim Fotografieren nix zusammenbringen und maximal runterfallen und sich das Genick brechen.*g* Also ja, ich hab dann scho eher drauf gehofft, dass ich vom sicheren Boden (aber was ist in so einer Gstecken schon sicher…) aus gut arbeiten kann.

Ich hab mich dann also zeitig vom Zielraum aus aufgemacht, meine Steigeisen montiert und mich gemütlich in Richtung Hausberg aufgemacht. Ist auch recht angenehm. Um halb zehn sind ja dann doch noch nicht alle völlig angsoffen im Zielraum und meinen mit 2 Promille die Zielschusseinfahrt nach der Traverse mit Halbschuach erklimmen zu müssen, was meist nur dazu führt, dass denen dann irgendwann die Haxen ausreisst. Da gehts dann doch eher recht unkontrolliert, von der Schwerkraft und dem plattgetretenen Schnee/Eis angetrieben den Hang hinunter und wenn man dann selber irgendwo dahinter marschiert hilft dir auch der beste Schienbeindeckel nimmer viel. Also um halb zehn bist da noch recht sicher unterwegs. Die Steigeisen sind übrigens Goldes wert aber eine ordentliche Schwitzerei ist es trotzdem. Oben beim Hausberg dann angekommen hab ich mal geschaut ob meine von den Bildern genährte Euphorie mit der Realität zusammenstimmt. Sagen wir mal so – viel Spielraum ist nicht. Zu weit unten und man hat den riesigen Fernsehübertragungsturm vor sich, etwas zu weit oben und man hat schon wieder nur die Fangzäune vor der Linse. Aber in einem kleinen Korridor von ca. 20 Metern hat man einen super Blick. Der Blick geht zwar durch die Spanngurte, die den Fernsehturm zusätzlich im Boden sichern, hindurch aber man hat sie nicht im Bild. Also perfekt. Und wenn man zeitig oben ist hat man sowieso kein Problem das richtige Fleckerl zu bekommen. Also hab ich mich mal schön breit gemacht und Jausenbox, Thermoskanne, Fotorucksack und Skijacke schön am Boden ausgebreitet und mal meine Gerätschaft eingestellt. Da ja alles eine Frage des Geldes ist hat es noch nicht zu einem 400mm Killerobjektiv (wirds wohl auch noch länger nicht) gereicht, sondern war mein 70 – 200 F2.8 mein Begleiter. Weil ich doch ein Stück weg war musst ich noch den 2-fach Konverter raufgeben und damit auch den Kompromiss eingehen manuell zu fokussieren. Aber besser so und dafür weniger scharfe Bilder aber dafür die Skifahrer halt doppelt so groß im Bild.

Da gehts dann doch eher recht unkontrolliert, von der Schwerkraft und dem plattgetretenen Schnee/Eis angetrieben den Hang hinunter und wenn man dann selber irgendwo dahinter marschiert hilft dir auch der beste Schienbeindeckel nimmer viel.

 

Bevor´s los ging war aber immer noch viel Zeit. Soviel Zeit, dass mir nach der anfänglichen Schwitzerei auch schnell wieder kalt wurde und ich dann doch sehr froh über meine zwei Jacken war auch wenn es um die vier, fünf Grad plus hatte. Wenn wie an diesem Tag keine Sonne durchkommt ist es dann trotzdem kalt. Somit war wieder Tee (mit Rum) trinken und ein paar Aufwärmläufe angesagt. Die ganze Zeit über marschierten auch jede Menge keuchende Fans – Rubrik pfausads Postross [schnaubendes, erschöpftes Postpferd] –  an mir vorbei zur Hausbergkante oder noch ein Stück weiter nach oben. 

Naja und irgendwann nachdem FIS Renndirektor Hannes Trinkl, Unmengen von Trainern, sonstigen Offiziellen und ein blondbemähnter Typ im weißen Skianzug, der vermutlich der Godfather of Moonboots – Hinterseer Hans war, die Piste runtergerutscht sind, gings dann auch endlich los.

Was hatte ich für ein Glück, dass selbstverständlich um diesen bescheuerten Fernsehturm auch noch ein schöner Zaun herumgebaut war und ich mich recht gut mit dem Objektiv auf einem Zaunpfahl abstützen konnte (is grundsätzlich ironisch aufzufassen aber um den Zaunpfahl war ich scho dankbar…). Mein Problem war nur, dass der Stadionsprecher kaum zu hören war (Videowall und Lautsprecher ist erst wieder oberhalb der Hausbergkante) und ich deswegen schon eine gefühlte Ewigkeit vorm Erscheinen der Läufer durch den Sucher schauen musste um dann blitzschnell abzufeuern. Puh nicht easy. Hoffentlich erwisch ich den Skifahrer im scharfen Fokusbereich hab ich mir bei jedem Läufer gedacht. die Sache könnte jetzt auch kapital in die Hose gehen. Es ist schon heftig wie kurz dieser Moment ist. Wo du den Läufer siehst ist er eigentlich schon fast wieder gelandet und macht sich über die Schrägfahrt aus dem Staub. Ich hatte ja nicht mal einen Kameraausleger zur Orientierung weil der auch für mich hinter der RedBull Tribüne nicht zu sehen war.

So wann kommt da Kriechmeister? Nummer 9 – passt. Den Gramastettner noch lässig im Sprung erwischt und dann an Sprint raufgezogen in die Gstecken und von oben kurz vorm Kollaps bei Puls 200 die nächsten Läufer nach dem Sprung beim Einfahren in die Traverse geknipst. Wennst da nichts zum sitzen und Kamera abstützen hast, wackelst wie ein Lampöschwoaf [Schafschwanz]. Aber ich bin gut gesessen und es ist ganz gut gangen und noch wichtiger – net dastessen [umgekommen] über die Gstecken – ich habs ja auch runter wieder drawig gehabt. Steigeisen halt – da hot´s nix. Schnell zusammengepackt hab ich mich nun aufgemacht in Richtung Zielraum um noch paar Bilder vom Zielschuss, Zielsprung und Zieleinfahrt mit der gewaltigen Kulisse von fast 50.000 Zuschauern zu machen. Das Problem beim Runtergehen ist jedoch, dass eine Vielzahl von Leuten einfach am Zaun steht. Ja genau – an dem Zaun wo ich mich an den Pfählen wieder halten sollte. Das sind teilweise jetzt die 2 Promille Typen mit den Halbschuach die sich noch irgendwie bei einem Zaunpfahl halten konnten. Aber gut, mir egal. Ich halt mich auch an den Leuten bevor es mich runterschmeißt. Zwischendurch mal wieder kurz wo hingesetzt und runterknipst. So hab ich mich dann in drei Etappen runtergearbeitet. Nun natürlich mit ausreichend Beschallung. Ist schon eine Wahnsinns Atmosphäre im Zielraum. Immer wieder lässig.

Von etwas weiter herunten hab ich dann nochmal paar Läufer geknipst wie sie in den Zielhang reinstechen und damit hab ich es dann gut sein lassen und hab dann einfach noch die Atmosphäre und den Speed genossen. Und ein Pal – na des geht net in Mundart – also ein Paar Würstel und 2 Gösser (bin gespannt wenns da unten mal a Schlägler ausschenken *g*) hab ich auch noch geschwind genossen. Tja was soll ich sagen. Kitzbühel es war mir ein Volksfest.

Den Gramastettner noch lässig im Sprung erwischt und dann an Sprint raufgezogen in die Gstecken und von oben kurz vorm Kollaps bei Puls 200 die nächsten Läufer nach dem Sprung beim Einfahren in die Traverse geknipst. Wennst da nichts zum sitzen und Kamera abstützen hast, wackelst wie ein Lampöschwoaf [Schafschwanz].

 

Aus organisatorischen Gründen musste ich leider schon um zwei am Nachmittag heimfahren was einem Skandal gleicht bei einem österreichischen Doppelsieg. Jo mir hats eh fast das Herz zerrissen. Kommt nicht mehr vor. Nächstes Jahr wird auf jeden Fall wieder die Party mitgemacht.

Ach und viel Spass mit den Bildern.

 

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